korona.ch

Kolumne

Jahreslosung 2020
von Thomas Muggli-Stokholm

Ich glaube! Hilf meinem Unglauben. (Mk 9,24)

«Ist der Glaube ein Werk?» fragte der Dozent am Ende der Vorlesung und brachte uns Studenten damit heftig ins Schwitzen. Ich kann diese Frage näm-lich nur falsch beantworten. Sehe ich im Glauben ein Werk, lege ich das Heil in menschliche Hände: Ich bemühe mich um den rechten Glauben, um gesund zu werden. Sehe ich im Glauben dagegen kein Werk, wird alles menschliche Bemühen belanglos. Ob jemand glaubt und gerettet wird, hängt alleine an der Vorsehung Gottes. Der Vater des besessenen Knaben spürt dieses Dilemma: Er glaubt und erwartet alles von Jesus. Zugleich erkennt er, wie verrückt dies ist, nicht zu beweisen, nicht abzu-sichern. Vernünftig wäre der Unglaube. Denn niemand konnte den besessenen Knaben bis jetzt heilen. So sagt Jesus: Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Erst wenn ich mir eingestehe, wie krank ich bin, kann Jesus mich heilen. Doch sobald ich mich danach gesund fühle, bin ich wieder hoffnungslos krank, weil ich mir einbilde, den Arzt nicht mehr zu brauchen. So ist der Glaube kein Werk, sondern eine Haltung, die völlige Offenheit für das Wirken Jesu. Das macht mich zum einen demütig und verhindert, dass ich mich zum Richter über den Glauben anderer überhebe. Zum andern schenkt es mir eine unzerstörbare Hoffnung: So sehr die Welt auch zum Verzweifeln scheint, am Beginn des Jahres 2020, von Gier, Krieg und Gewalt besessen. Wir harren doch auf den Gott, der die Welt so sehr liebt, dass er den einzigen Sohn gibt, um uns in unserem Unglauben aufzuhelfen und uns und seine ganze Schöpfung zu retten und zu heilen.
Thomas Muggli-Stokholm

Die nächsten Termine