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Kolumne

Greta-Effekt
von Thomas Muggli-Stokholm

Der Greta-Effekt ist in aller Munde. Die Grünen jubeln über Wahlgewinne. Reiseveranstalter jammern über Umsatzrückgänge. Die einen feiern die 16-jährige als Heldin, andere sehen den «Hype» um sie kritisch. Immerhin bringt Greta uns zum Nachdenken.
Ich selbst erhalte regelmässig Komplimente, weil ich kein Auto besitze. Doch ich sehe mich nicht als Heiligen: Nur schon
meine Reiselust vergrössert meinen ökologischen Fussabdruck empfindlich. Auch wegen Greta habe ich mir jetzt immerhin ein Flug-Fasten für 2019 vorgenommen. Genau darin liegt aber der Kern des Problems: Ausser jenen, die entgegen der Tatsachen leugnen, dass die Klimaveränderung menschen-gemacht sei, schreien alle nach Umstieg auf erneuerbare Energie, Verzicht und Einschränkung des Verbrauchs. Ich bezweifle, ob wir damit das Problem lösen. Beim Verzichten stossen wir nämlich nur allzu schnell an unsere Grenzen und gehen Kompromisse ein.
Zukunft hat dem entgegen nur ein Lebensstil, wo Reisen, Verbrauchen und Konsumieren nicht mehr die Hauptrolle spielen. Umsteigen heisst dann nicht, dass ich Tesla fahre statt BMW und meine Flüge klimakompensiere. Umsteigen heisst: Die Prioritäten völlig neu setzen. Manchmal ahne ich, wie das sein könnte: Durch das Ambitzgi-Ried spazieren und die Schwertlilien bestaunen. Auf dem Balkon sitzen und mit glühenden Ohren den ausgeliehenen Krimi lesen. Still dasitzen, gar nichts tun und genau darin die wahre Fülle entdecken. Aber eben, ich bin kein Heiliger – denn da gäbe es doch noch den abenteuerlichen 6000er in Nepal …

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