Kolumne

Christliches Sozialprogramm
von Christian Buschan

Die Kirche solle sich raushalten aus der Politik – so meinen Konservative aller Couleur. Doch aufrechte Christinnen und Christen können gar nicht anders, als sich einzumischen. Denn die Bibel ist auch ein Sozialprogramm mit gesellschaftlicher Sprengkraft. Jesus und die Jünger revoltierten gegen die Mächtigen ihrer Zeit, sie handelten also auch politisch.

Die Bibel handelt vom Bewahren der Schöpfung, von der Nächstenliebe, von der Würde und der Gleichheit der Menschen. Sie verlangt den Schutz der Schwachen und Armen und propagiert eine gerechte Gesellschaft. Wer sich bibeltreu und in der Nachfolge Jesu sieht, muss sich zwangsläufig und schon heute aktiv für all dies einsetzen. Wer dies unterlässt, kann sich kaum Christ/ Christin nennen, sondern muss sich als Heuchler/Heuchlerin bezeichnen lassen.

Reformierte ecken politisch seltener an, alles streng Konservative überlassen sie den Freikirchen. Lieber schwimmen Reformierte im gesellschaftlichen Mainstream mit. Beide Haltungen verkennen oder verleugnen den sozialpolitischen Auftrag der Bibel. Dietrich Bonhoeffer, Leonhard Ragaz, Leonardo Boff, Gustavo Gutierrez, Jon Sobrino oder Oscar Romero – sie haben sich als Theologen, Pfarrer oder Priester beispielhaft an die Seite der Armen und Schwachen, der Geknechteten und Verfolgten gestellt.

Religion, Kirche und Glaube dürfen nicht zu wolkig-süsslichen Narkosemitteln degradiert werden. Vielmehr sollen sie brennende Stacheln im Fleisch der selbstgefälligen Reichen und Mächtigen sein und bleiben.