Kolumne

taub – stumm – heil
von Sandra Vetsch

Jesus hat oft in Gleichnissen gesprochen. Eines berührt mich beim Lesen immer wieder auf besondere Weise. Der Evangelist Markus beschreibt die Heilung eines Taubstummen im Kapitel 7, 31-37. Schon drei Teilsätze daraus haben eine tiefgreifende Aussagekraft. «Und er nahm ihn beiseite, weg aus dem Gedränge,…» Was Jesus mit dem Mann vorhatte, war nicht für die Öffentlichkeit bestimmt, es sollte etwas Persönliches, Privates geschehen zwischen diesen beiden Männern.
«...legte die Finger in seine Ohren…» Jesus berührte den Mann genau an derjenigen Stelle, wo eine Veränderung stattfinden sollte. Jesus tat dies auf eine unbeschreiblich feinfühlige Art, so dass der Kranke die Möglichkeit hatte, mit all seinen übrigen Sinnen zu erfassen, was geschah.
«...und berührte seine Zunge mit Speichel,…» Eine unglaublich intime Handlung von Jesus! Wem ist es schon erlaubt, einen anderen Menschen auf so innige Weise zu berühren? Diese Geste erinnert mich an eine Mutter, die aufs Taschentuch spuckt und mit eben diesem bei ihrem Kind möglichst unbemerkt eine Verschmutzung wegwischt. Das darf nur sie!
Nach einem Seufzer (Gebet) von Jesus in Richtung Himmel und dem Wort «Effata», was «werde geöffnet» bedeutet, wurde der Mann sogleich geheilt.
Wenn wir Jesus in der Zweisamkeit unsere schmerzenden Stellen hinhalten und IHN daran arbeiten lassen, geschieht immer etwas, denn erst durch das Offenlegen der Wunden ist ein vorsichtiges Säubern und anschliessendes Verbinden möglich. Es muss aber nicht wie im Gleichnis eine körperliche Heilung die Folge sein, denn Krankheit und Heilung gibt es auf verschiedenen Ebenen.